Watte-Ideologie

 

18.02.11

 

Watte-Ideologie

 

Ist es wirklich nötig, daß eine Gesellschaft – oder eine Institution -  eine ‚Watte-Ideologie’ für ihre treuen Gefolgsleute braucht bzw. bewerkstelligt?

 

Bei uns in Deutschland (ich denke, in anderen Gesellschaften ist es ähnlich)  herrscht bei großen Teilen der Bevölkerung ein gewisser Kitsch-Standard: es ist im Prinzip alles gut, wie es ist; es ist alles schön, wie es ist; es ist alles wahr, wie es offiziell geschrieben und gesagt wird.

 

Die eigentliche Hintergrundbotschaft ist: Wir wollen uns gerne einlullen lassen, wir wollen unsere Ruhe haben, wir wollen nicht nachdenken, wir wollen alles mitmachen.

 

Die Kitsch-Filme und Kitsch-Serien im Fernsehen (und den Kinos) sind analog: Wer sich so was reinzieht, gibt implizit zu: Wir wollen nicht nachdenken, wir wollen uns nicht geistig entwickeln, wir wollen im Mainstream träge mitschwimmen. (Wir fressen beispielsweise laut raschelnd dicke Pop-Corn Tüten im Kino - und geben damit laut zu erkennen: wir sind primitive Mainstream-Deppen).

 

Die Frage ist: Warum ist das so?

 

Meine Vermutung ist, daß in einer Klassengesellschaft (als Ableger einer tendenziell imperialen Gesellschaft) die Verhältnisse zwischen den Menschen dermaßen kompliziert sind, daß die meisten vor ihrer Undurchschaubarkeit – und erst recht Unveränderbarkeit – (unbewußt) resignieren und sich (unbewußt) sagen: soviel Kraft habe ich nicht, um da irgendwie dran zu rütteln! Dafür bin ich viel zu kaputt, dafür bin ich ein viel zu kleines Würstchen, eine viel zu arme Sau. - Oder auch, im Falle der Geldschicht offensiv: mir geht es hier gut – das ist doch ok so.

 

Für diese Menschenmasse innerhalb einer Klassengesellschaft gibt es natur-notwendigerweise die Watte-Ideologie:

Da ist dann alles wunderschön: Alles ist bestens geregelt. Alles ist gerecht. Alles ist ästhetisch. Alles ist gut. Wir haben eine Demokratie (den Kommunismus oder sonst was – setz was ein). Für politische  ‘Außenseiter’ gibt es entsprechend grundsätzlich immer diesen ‘Schwarze-Schafe-Rayon’ - mehr oder minder bösartig bewacht - oder zumindest außer Acht gelassen.

Das gilt dann auch für jede Institution - beispielsweise auch für eine offizielle Familie (die üblicherweise, nebenbei gesagt, ebenfalls ihre Schwarzen Schafe braucht).

Besser geht’s nicht! – das ist dann die mehr oder minder allgemeine Vorstellung.

Auf diese Weise werden unendlich viele (gezwungene) Mitläufer erzeugt, die dann im entscheidenden Falle zu den Fahnen ‘eilen’: 1914, 1939; oder nachkriegsmäßig zu jeder beliebigen Fußball-Weltmeisterschaft auf der Matte stehen (quasi als Test).

Mit solchen Mitläufern kann man natürlich keine echten gesellschaftlichen Probleme bewältigen.

Übrigens: Warum sollte man auch? Eine sog.  ‚Bewältigung’ würde - als Beispiel - vermutlich die allgemeine Umwelt-Zerstörung der einzelnen Länder und des Planeten nur noch weiter hinauszögern und insofern perfekter machen! Man sollte bei dieser womöglich letzten Dialektik der Aufklärung  meiner Ansicht nach die Augen sehr weit offen halten!