Konventionalität

28.09.11

Die Bedeutung der gesellschaftlichen Konventionalität

 

Um diese zu erfassen dient mir als erstes die Analyse der

Bedeutung des 'krachmachenden Charakters'

 

Ich denke, das Problem ist als relatives innerhalb der Sozialstruktur erklärbar – und nicht einfach nur absolut ein neurotisches Symptom eines einzelnen armen Teufels bzw. einer Teufelin.

 

Der Krachmacher sucht einerseits, wie jeder Mensch, Anerkennung und Nähe. Andererseits wandelt er echte Anerkennung in ein Nullsummenspiel um: derjenige, der ihn anerkennt und das auch zeigt, indem er anerkennende Nähe (Kooperativität) produziert, hat dadurch gezeigt, daß er ein Wurm ist, den man zertreten kann und Er, der Krachmacher ist der Oberherr. Er denkt dann gar nicht daran, den anderen Anerkennenden ebenfalls anzuerkennen. Wenn der Kooperative mit seiner Nähe zu aufdringlich wird, zerstört der Krachmacher die Nähe, indem es provokanterweise eben ‘zum Krach’ kommt.

 

Das Problem liegt wohl darin, daß es sich bei dem Krachmacher um eine autoritär erzogene Person handelt, der man intensiv beigebracht hat, daß es Herrscher gibt und Unterlegene. Das ist jetzt die Wertvorstellung, die sich durch jene Erziehungsmethode eingeprägt hat. Der Kooperative wiederum hat eine entgegengesetzte Wertvorstellung. - Im Vergleich zu 'normalen', autoritär erzogenen Menschen, fehlt dem Krachmacher die Toleranz, diesen Gegensatz der Wertvorstellungen zu verkraften und flippt daran aus. Falls die Gegenseite sich stark fühlt, und nicht vorzeitig das Weite sucht, provoziert der Krachmacher zwanghaft sein Opfer, damit dasselbe mehr oder minder reagiert. Diese Reaktion wiederum wird als Anlaß genommen, endlich den ersehnten Gegensatz in einer Streitorgie u.dergl. herzustellen.

 

Dieser Spezialfall eines unkontrollierten Autoritären kann meiner Ansicht nach deutlich machen, warum die kontrollierten Autoritären gewisse Regularien, eine Art Voodoo-Zauber brauchen, um einerseits Nähe herzustellen, aber andererseits zu große Nähe zu vermeiden, da sonst die Gefahr der ‘Verkrachung’ bestünde („Pack schlägt sich, Pack verträgt sich!“).

Ich denke dabei paradigmatisch an die Eß-Regularien. Nur eine Weinsorte zu bestimmten Phasen. Geschirr in einschüchterndem Design. Zu jedem Gang ein neues Geschirr und neues Besteck. Bier unbedingt aus Gläsern, nicht aus Flaschen. Aufhäufen von Essen nur in kleiner homöopathischer Dosis.

Homöopathische Dosen werden hauptsächlich in der gehobenen Gastronomie verwendet. Besonders kostspielige Zutaten, wie Fisch, Fleisch, Gemüse oder Soßen werden den Mahlzeiten nur in geringster Form zugesetzt. (aus Kamelopedia, der freien Kamel-Enzyklopädie)

 

Gespräche sollen eher schweifig sein, von hier nach da springen, nicht konzentriert auf ein Thema sein - es sei denn, es handelt sich um ein wohlabgezirkeltes “Arbeitsessen”. - Das Ganze schränkt die Kommunikation weitgehend auf feierliches Zelebrieren ein, und kann sie sogar ganz abtöten, was ja auch wiederum nicht der Sinn der Übung ist. Eine eingeschränkte, sozusagen eingeschüchterte Kommunikation, ist schon noch erwünscht.