Macht der Weiber

11,08,06

 

Jetzt habe ich, glaube ich, was besonders Eingreifendes erkannt.

 

Die grundlegende Macht der Weiber beruht darauf, daß sie Kinder in ihrem Sinne formen wollen. Die Kinder sollen also abhängig sein, d.h. nach der Liebe & Anerkennung der Mütter lechzen. Nun gibt es zwei Varianten: Die Tochter soll der Mutter nacheifern und der Bub soll ein braver Friedhelm werden, der später fleißig 'seinen Mann steht'.

 

Der Bub, der nun  nach der Liebe & Anerkennung der Mutter hungert, sieht also immer die Erhabenheit der Mutter ihm gegenüber. Und genauso erhaben verhalten sich üblicherweise die Frauen gegenüber den nach ihnen sexuell gierenden Männern.

Hier kann- man übrigens möglicherweise (das ist einfach erst mal ein Versuch) die Rolle der Männerbünde in militaristischen Gesellschaften besser verstehen: sie bilden eine Art Schutz-Trutz- und Abwehrbündnis gegenüber der Ausgeliefertheit an die Weiber. Sie entwickeln dagegen eine patriarchalische Allianz. (Wer hat schon mal so eine 'verbotene' Ansicht vertreten?)

 

 

Das Phänomen der Sexualität in der modernen bürgerlichen Gesellschaft

 

Es gibt einerseits diese Machtausübung der Mütter=Frauen über die Männer, die das Bedürfnis nach Anerkennung durch sexuelle Liebe bei der sozusagen verallgemeinerten Frau erzeugt. Wenn der Mann nach jener Anerkennung dürstet, wird die spezielle Frau ihm – wenn er genügend Friedhelm ist - nachgeben und ihn 'heiraten' (damit er für sie sorgt).

 

Speziell in der patriarchalischen Gesellschaft allerdings geht es um Machtausübung seitens der Männerbünde – auch in Eheangelegenheiten. Das scheint für dieselben notwendig zu sein. - Allerdings erledigt sich das historisch immer mehr.

 

Doch hat sich hier in Europa und USA seit dem 19. Jahrhundert allmählich [entgegen der patriarchalichen Welt] einiges verändert. Die patriarchalische Beziehungswelt wird abgelöst durch die sexuelle Liebe als neue Religion. Sie entspricht dem kapitalistischen Warenwert. Die Frau kann ihre Macht gegenüber Männern (in freien, nicht patriarchalischen Verhältnissen) besonders gut ausüben, wenn sie einen hohen Warenwert aufgrund von Waren-Ästhetik hat. Die von den Müttern typisch sozialisierten, von Kindheit an liebeshungrigen Männer verehren solche Frauen (übrigens primär wegen ihrer Ästhetik) als neue Gottheit – beten sie an, leiden existentiell, wenn diese Art Gottheit sich von ihnen irgendwann abwendet.

 

Aufgrund dieser Erkenntnis kann ich durch Selbst- und Fremdbeobachtung einige Fakten empirisch erkennen, für die ich vorher blind war:

 

  • Ich sehe z.B. die junge Frau, die an mir in  der Therme halb nackt und schön vorbeigeht und mich kurz und unscheinbar oberflächlich-nebenher betrachtet – und in dem Moment, wo sie meine Abschätzung ihrer Figur wahrnimmt – überheblich wegschaut, wie wenn nix wäre. - Meine Interpretation: Sie hat registriert, daß ein männliches Jemand, womöglich sogar irgendwie sexuell Relevantes, sie beobachtete und schließt daraus: (auch) den hab ich jetzt gerade eingesackt.
  • Ich sehe mich selbst, wie oft ich geneigt bin hinzuschauen – ebn aufgrund der Hinguckergeschichten: Dann registriere ich: Ej, das ist ja ein absolut gut gestyltes Zirkuspferdchen (z.B. mit Pferdeschwanz) und auch sonst mit allerlei buntem Firlefanz rund um ihre zarten Fesseln und Sexualattribute. Und alles zentriert sich letztlich auf das entscheidende Loch. (An das du normalerweise nie dran kommst – es sei denn, du bist Don Juan oder Mick Jagger oder sonst irgendeine besondere Figur).
  • Wenn ich also 'Zirkuspferdchen' sehe, werde ich nunmehr selbstkritisch. Vorher habe ich sie unbewußt-unwillkürlich gierig angesehen. Es ist ungeheuer erstaunlich, welch große Kunstruktivität und Kreativität in den Zirkuspferdchen mit allen ihren Klamotten und sonstigen Designermitteln drinsteckt. Das muß endlich mal klar und deutlich anerkannt werden! So ähnlich wie man europäische Dome anerkennt. - Es sind stetig sich wandelnde Errungenschaften, die immer wieder neu den Punkt der erregenden Männer-Geilheit erschaffen. Und gleichzeitig für Warenumsatz ohne Ende sorgen.
  • Also der entscheidende Dreh beruht darauf, daß ich einfach nicht mehr hinkucke. Daß ich versuche, nicht hinzuschauen. Das ist schon irgendwie anstrengend, eine Art Sport. Aber es ergibt sich für mich dadurch eine völlig neuartige Realität. Ich bewege mich plötzlich in einem neuen Universum!
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    Ich vermute allerdings, daß ich in jenem neuen Universum meine positiven poetischen Gefühle endlich wieder erlangen kann, wenn ich die Zirkuspferdchen innerlich meide.

     

Fazit: Es läßt sich (durchaus begründed) vermuten, daß eine gewisse Korrelation zwischen Machthunger und ästhetischer Aufmachung zum Zirkuspferd beruht, sodaß man sich aus gutem Grund mit einer gewissen Berechtigtheit vor solchen Weibern in Acht nehmen sollte. Oder wie Trini Lopez das ausdrückt: “If you want to be happy for the rest of your life, don’t take a pretty woman for your wife”. Deshalb ist es auch sinnvoll, sich von der modernen, kapitalistischen Sexualreligion zu distanzieren, weil sie einen ja systematisch an solche femmes fatales ausliefert. - Schließlich gilt nach wie vor ein Leitsatz der Aufklärung, wie Marx ihn prägnant formulierte: Religion “ist das Opium des Volkes”. Und wie der vormarxistische Marx 1844 (Einleitung Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie) weiter ausführte: “Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks.”