Soziologischer Mesokosmos

12.07.11

 

Der Meso-Kosmos der sozial-psychologischen Anpassung

 

Der Vollmer'sche 'Mesokosmos' hat mich offenbar inspiriert, die Sache auch mal sozial-psychologisch zu sehen statt nur rein physikalisch.

 

Physikalisch gibt es klassischerweise den Mikrokosmos und den Makrokosmos. Gerhard Vollmer hat noch den Mesokosmos reingebracht. Der Mesokosmos ist die Welt unserer mittigen Dimensionen, wie sie Erde und Sonnensystem darstellen. Darüber hinaus (Milchstraße, Galaxien etc.)  gilt der Makrokosmos. Natürlich weiß jeder Gebildete heutzutage außerdem, daß es unterhalb unserer alltäglichen Wahrnehmung auch noch einen Mikrokosmos gibt. Das Ganze hat also mit unserer Wahrnehmung zu tun.

 

Wenn ich dies nun auf die sozial-psychologische Realität analog anwende, dann ist die Gesellschaft und ihre Geschichte der 'gesellschaftliche Kosmos'. Der gesellschaftliche Mikrokosmos wäre die kleine Eigenbrötelei ohne eigenen bewußten Bezug zur übergeordneten gesellschaftlichen Realität. Etwa, wie man es von Babies und Kleinkindern kennt.

 

Der gesellschaftliche Mesokosmos wäre im ausgereiften Sinne das, was man als Erwachsener normalerweise gesellschaftlich wahrnimmt. Der Erwachsene fühlt sich verpflichtet, sich an der gesellschaftlichen Realität zu orientieren. Er will das können und leisten, was geschichtlich-gesellschaftlich gerade en vogue ist. Insofern ist der Erwachsene primär pragmatisch orientiert. So, wie man im physikalischen Mesokosmos primär ingenieurmäßig orientiert ist. (Beides überschneidet sich in der Industrie).

 

Doch dann gäbe es noch die Wahrnehmung des gesellschaftlichen Makrokosmos. Das ist dann die Vorstellung von dem Umfassenden gesellschaftlicher Realität. Das können religiöse, ideologische oder wissenschaftliche Vorstellungen sein. Dasselbe gilt übrigens auch für den gesellschaftlichen Mikrokosmos.

 

Eine wissenschaftliche, soziologische, Weltsicht betrachtet, wie in der Physik, alle drei Wahrnehmungsweisen und verkoppelt sie miteinander. Sodaß also beispielsweise in der Kindererziehung auch die Makrokosmos-Determinanten wahrgenommen werden (die gesellschaftlichen Einflüsse) und in der pragmatischen Anpassung des Mesokosmos des Erwachsenen sowohl die Mikrokosmos-Determinanten (die Kindererziehungseinflüsse) als auch die Makrokosmos-Determinanten (der umfassenden geschichtlichen gesellschaftlichen Realität) gesehen werden (sollten).

 

Was will uns das Ganze sagen?

 

Der normale Mensch ist also der pragmatische gesellschaftliche Mesokosmos-Mensch. Gesellschaftlicher Mikrokosmos und Makrokosmos schert ihn wenig. Wenn er in Schwierigkeiten gerät, geht er zum Arzt oder Fachmann. Die kennen sich vielleicht (mehr oder minder) mit physikalischem Mikro- und/oder was selten ist: mit gesellschaftlichem Mikro-Makrokosmos aus und können evtl. helfen – oder tun zumindest so.

 

Der normale Mensch kann auf dieser Mesokosmos-Ebene halbwegs funktionieren und erlebt dadurch positive Gefühle – vor allem, weil er mit vielen anderen Mesokosmerianern d'accord ist (vgl. Fußball oder Krieg). Den Mikro-Kosmos der Kinder betrachtet er mit Hilfe seiner mesokosmischen Sichtweise, wodurch meistens bei seiner Kinder-Erziehung nur Mist rauskommt.

Aber die positiven Gefühle aufgrund seines gesellschaftlichen In-Seins sind die wahre Stärke des Mesokosmerianers!

 

Wenn der gesellschaftliche Mesokosmerianer in sozialpsychologische (psychosomatische) Probleme gerät, so sind meiner Ansicht nach in der Regel übergeordnete (makroskopische) gesellschaftliche Probleme die determinierenden Faktoren. (Wozu außerdem auch die massenhaften falschen mikrokosmischen Erziehungsformen zählen). Aber welcher mesokosmerianische 'Arzt' kann dies anerkennen? Denn in der Regel ignorieren Ärzte die soziologischen, gesellschaftlich-makroskopischen Erkenntnisse, weil diese eben notgedrungen gesellschaftskritisch sind, wenn sie humanistisch gemeint sind und nicht einfach nur ideologisch.

Und selbst wenn ein kritischer Arzt dies anerkennt: der Block der Mesokosmerianer mitsamt den zugehörigen Glaubensgewißheiten (bzgl. Erziehung, Krankheit und Psychologie) läßt sich wissenschaftlich nicht erschüttern. - Oder?