Neo-Klassengesellschaft

05.01.11

Neo-Klassengesellschaft

 

Es ist klar, wir sind nach wie vor eine Klassengesellschaft. Aber auf neue Weise: Das heißt wir sind sie einerseits, und andererseits sind wir sie nicht.

 

Früher, in der traditionellen Klassengesellschaft – oder gar bei Sklavengeschichten à la USA – war alles eindeutig klar: da gab es Herr & Knecht, Master & Slave, Vorgesetzter & Untertan. Und dies war schon an den Klamotten und dem ganzen Gehabe beiderseits und erst recht in Relation zueinander voll erkennbar – durchgängig durch die ganze Gesellschaft. Der ganze Rechts- und Staatsapparat, das ganze Selbstverständnis der Gesellschaft war dem zugeordnet.

 

Heute ist ebenfalls das ganze Selbstverständnis der Gesellschaft (wenn auch vielleicht nicht des Rechts) dem zugeordnet, aber auf sozusagen verallgemeinerte Weise. Heute ist das Klassenverhältnis keineswegs so sozial offensichtlich wie früher. Es ist weit aus mehr psychologisch geworden, als es je war: Beispielsweise ein kurioses Merkmal heutzutage: von wem wird sich wie verabschiedet? Wobei die nieder eingestuften einfach nicht mehr richtig beachtet werden, auch wenn man vorher mit ihnen (ansatzweise) zu tun hatte.

 

Das Kriterium hat sich gewissermaßen abstrahiert: Wer in irgendeiner Form ‚Bourgeois’ ist, d.h.  egoistisch oder egozentrisch ist, der ist der Master/die Masterin. Einfach durch die Tatsache, daß er/sie/es das durchsetzen kann - in der Familie oder sonstwo. Er/sie/es  wird voller Nichtverständnis, wenn nicht gar Verachtung, diejenigen betrachten, die anders drauf sind.

Heutzutage bilden sich immer mehr narzißtische und überhebliche Leute heraus. Das geht schon in der Kindheit los, wenn Eltern die Diener der Kinder sind und sie entsprechend ‘verwöhnen’. Diese heranwachsenden Leute wissen oft kaum, was Arbeit und Verantwortung bedeutet. Sie gehen davon aus, daß andere die Dreckarbeit für sie machen.

Andererseits gibt es die Leute, die Herzlichkeit & Abschied ernst nehmen. Das eben drückt für mich aus, daß es mittlerweile zwei Gesellschaften in Deutschland (und sonstwo in der modernen Welt)  gibt: eine narzißtische, höhnische, überhebliche die dadurch der egoistischen Klassengesellschaft frönt und eine andere, die (immer noch) Freundlichkeit, Verantwortung und Ernsthaftigkeit als wesentlich ansieht.