Was ist ein Flippie?

 

Bei der Suche im Internet nach der genaueren Bedeutung von ‘Flippie’ gab es praktisch keinerlei Ergebnisse. Das war sowohl überraschend als auch frustrierend.

Mit Barbara diskutierte ich dann bei unserem festlichen Abendessen (es gab gefüllte Paprika und Krautwickel), was sie denn unter einem ‘Flippie’ verstehe? Sie hatte ein überraschend klares Bild von der Sache, sodaß ich mir dann ihre Ansichten (vermischt mit meinen eigenen) notierte.

Einen Tag später versuchte ich es nochmal mit diversen anderen Suchmaschinen außer Google - wieder nix.

Als ich dann wieder auf die Wikipedia kam, hieß es:

Erstelle den Artikel „Flippie“ in diesem Wiki.
Wenn Du eine Frage hast, wende Dich bitte an die
Suchhilfe

Als ich den Artikel dann schreiben wollte, kam erst mal folgende Meldung:

Bearbeiten von Flippie

Hier kannst du einen neuen Wikipedia-Artikel verfassen. Eine Anleitung für Anfänger findest du unter Wikipedia:Dein erster Artikel.

Beachte dabei: Der Artikel sollte ein Mindestniveau erfüllen, enzyklopädische Relevanz besitzen und durch Quellen belegt sein. Es passiert leider zu oft, dass schlechte Artikel gelöscht werden müssen. Ausprobieren kannst du auf der Spielwiese.

Ich verfaßte dann meinen Artikel, der sich an dem Diskussionsstand mit Barbara am Abend vorher orientierte. Dabei ging ich davon aus, daß diese Enzyklopädie eigentlich froh sein müßte, wenn sie als einzige Instanz weit und breit eine genauere Bedeutung des Wortes liefern könnte. Weit gefehlt! 20 Minuten später, nachdem der Artikel in der Wikipedia erschien, war er schon wieder gelöscht. Dazu dann eine äußerst begründungsarme Bemerkung im Du-Ton eines AOL-Kinder-Moderators:

Aktuelle Version vom 26. November 2009, 02:41 Uhr

Löschung deines Artikels [Bearbeiten]

Hallo Manfred Aulbach!

Ich habe deinen Artikel Flippie gelöscht, weil ein Verbleib in der Wikipedia in dieser Form nicht möglich ist. Wenn du wissen möchtest, wie man korrekte Artikel schreibt, schaue dir z.B. folgende Infoseite Wie schreibe ich gute Artikel an. Ob das Thema oder die Person für die Wikipedia wichtig ist, kannst du hier erfahren. Wenn du dir nicht sicher bist, wie du die Wikipedia als Autor unterstützen kannst oder schlicht Hilfe brauchst, dann wende dich einfach ans Mentorenprogramm (WP:MP), dort kann dir sicherlich einer von uns Mentoren helfen!

Viel Erfolg noch als Autor!

Gruß --JCS 02:41, 26. Nov. 2009 (CET)

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Doch glücklicherweise habe ich noch mein eigenes Reflexionsjournal, um den Artikel zu veröffentlichen und kann über die Wikipedia und ihre aufgeblasenen bürokratischen Zensur-Moderatoren achselzuckend weggehen. Hier nun also der Artikel, von dem ich keineswegs behaupte, daß er das Nonplusultra an Erklärung darstellt, aber ich denke, immerhin bildet er einen Anfang.

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Was ist ein Flippie? Der erklärende Hinweis, daß ein 'Flippie' (gemeint ist eine Person) 'ausgeflippt' ist, trägt nicht weit, da dieser Hinweis teilweise irreführend ist, 1. weil 'ausgeflippt' unterschiedliche Bedeutungen hat, z.B. auch positive: Jemand trägt etwa 'ausgeflippte' Schuhe, was durchaus positiv gemeint sein kann und 2. nicht gesagt ist, ob ein ''plötzlicher'' Wandel zum Flippie hin stattfand, was aber in dem Wort 'ausgeflippt' (angewandt auf Personen) als Bedeutung drin steckt. Die Bezeichnung 'Flippie' für eine Person, hat in der Regel eine negative Bedeutung. Jedoch ist der Flippie nicht an sich bösartig, sondern von irgendwas monoman getrieben und bleibt dabei weitgehend harmlos.

 

Die Grundbedeutung ist ungefähr die: ein Flippie hat irgendeine einseitige Marotte, eine geistige Macke, ist getrieben von unbewußten Eingebungen, hat monomane Ideen, man kann ihn deswegen nicht voll ernst nehmen.

 

Der Flippie lebt mehr oder minder stark in einer Scheinwelt. Er ist etwa eingeschriebener Student, aber für das Studium an sich bringt er eigentlich kein Interesse, vor allem keine Mühe, auf. Dabei bildet er sich jedoch ein, daß er ein vollgültiger Student sei. Seine Macke ist die, daß er eine Art 'Oblomov' ist, dessen Aktivitätsradius äußerst eng begrenzt ist. Insofern hat man hier schon einen Hinweis, daß es beim Flippie eine Affinität zum Größenwahn gibt. Oder eine Frau ist Mitglied einer Partei und quasselt in diversen internen Partei-Veranstaltungen in ihren Redebeiträgen unendlichen Müll, indem sie das Rederecht ausnutzt, weil sie sich als vollgültiges Mitglied ansieht. Oder ein junger Mann läuft als 'Jesus' täglich mehrmals mit einem Schild durch die Fußgängerzone einer Stadt. Auf dem Schild stehen irgendwelche kryptischen frommen Bemerkungen und Zahlen mit geheimnisvoller Bedeutung. - Es gibt auch weniger deutlich sichtbare Formen des Flippies, z.B. daß jemand von irgendeiner Gerechtigkeitserlangungs-Idee monoman besessen ist, weil er sich einbildet, daß ihm Schaden fürs ganze Leben zugefügt wurde - was aber bei genauerem Hinschauen eine Chimäre ist. Oder jemand ist ständig in irgendwelchen psychotherapeutischen Behandlungen und in diversen Kliniken - er hat sich in dieser Umwelt quasi häuslich eingerichtet, obwohl er eigentlich gar keinen besonders 'kranken' Eindruck macht. Auf 'normale' Menschen kann er sich im Laufe dieser jahrzehntelangen Patienten-Karriere nicht mehr ernsthaft einlassen.

 

Das Wesen des Flippies ist, daß er sich mit seiner Macke in einem geistig abgeschlossenen System abgekapselt hat, bei dem es nur noch schwache Rückkopplungen zur Realität gibt. Der Flippie agiert irrational ('flippig'), weil er versuchen muß, sich jede realistische Reflexion vom Hals zu halten.

Er muß seinen selbstbezogenen Trip eisern durchziehen, um nichts an sich rankommen zu lassen, was ihn mit der eigentlichen Realität konfrontiert. Eine Form dieser Irrationalität ist es, daß er arrogant und frech wird, wenn man ihm freundschaftlich entgegenkommt, ihn dabei jedoch mit der Realität konfrontiert. Der Flippie interessiert sich nicht - oder nur sehr gering - dafür, was jemand anderes für Themen drauf hat. Er interessiert sich kaum dafür, was mit dem Anderen los ist. Ein Flippie interessiert sich jedenfalls nicht für Kommunikation auf Gegenseitigkeit. Das einzige was für ihn in der Welt wirklich zählt, ist er selber und seine geistige Marotte.

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27.11.09 Nachtrag zur Wikipedia. Ich hatte dem Moderator eine Mail geschrieben, in welcher ich eine genauere Begründung für die Löschung  wünschte. Die Antwort kam heute immerhin im höflichen Sie-Ton. Doch konnten mich die Begründungen nicht überzeugen.

1. Nur weil einige Leute (von mir aus viele) den Ausdruck “Flippie” nicht kennen, heißt das nicht, daß er in einem Lexikon nix zu suchen hat. Dann könnte jedes Fremdwörterbuch gleich dicht machen. Sodann:

2. Wie soll ich auf bestimmte Quellen verweisen, wenn sie nirgends zu finden sind - ich womöglich der erste bin, der hier eine genauere Strukturierung der Begriffsbedeutung unternimmt? Vermutlich lassen sich einige Zitate in Büchern finden, die belegen, wie dieser Begriff verwendet wird. Da müßte ich aber erst sehr aufwendig suchen, wozu ich jetzt gar keine Zeit (und Lust) habe. Vielleicht im Laufe der Zeit neben her. Der Vorschlag wäre gut gewesen, kam aber nicht. So nach dem Motto: “Es wäre schön, wenn Sie im Laufe der Zeit noch einige Zitate aus Büchern oder sonstige Belege finden würden, wo dieser Begriff  verwendet wird. Und möglichst noch der entsprechende Kontext dazu dargestellt würde.” So, das wäre der Ton, wie man anständig miteinander redet, wenn man das Gegenüber ernst nimmt.

Die Wikipedia würde sich doch keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn ihre gescheiten Einser-Moderatoren am Anfang, in einem extra Kästchen, ihre Bedenken zu irgendeinem mißliebigen Artikel äußern würden! Sollen sie sich doch vor dem gesamten Publikum (wahrscheinlich dann schon wesentlich vorsichtiger) darstellen. Wer hat da was dagegen? - Schon strange, daß diese Schlauberger nicht selber auf so einen einfachen Gedanken kommen!

3. Daß die Wikipedia-Insider-Formalisten eine ganz bestimmte Art des Textaufbaus wünschen, - naja - sollen sie damit selig werden. Ich möchte nicht wissen, wie viele Wikipedia-Artikel ich persönlich als minderwertig, langweilig und an der Sache vorbei deklarieren würde - obwohl sie die Wikipedia-Formalkriterien bis aufs i-Tüpfelchen erfüllen. (Mir wurde als ein Ablehnungsgrund vorgehalten, daß mein Artikel eine Art Essay sei).

4. Die schönste Begründung in der ganzen Latte von Gründen (die ja eh nur eine Auswahl ist - der Herr PP (Name darf nicht genannt werden) hat sicher noch mehr stumpfe Pfeile in seinem Köcher!) ist folgende: Ich könnte ja eine Urheberrechtsverletzung begangen haben, indem ich mir die Sache irgendwo kopiert hätte. - Ja, Gott der Gerechte, was soll man da noch sagen! Da fällt mir leider nix mehr ein. Soviel überragendem Geist bin ich leider nicht gewachsen.