Verstand vs. Gefühl?

03.03.06

 

Verstand vs. Gefühl?

 

Es gibt diesen alten Gegensatz, der irgendwie ominös ist. Normalerweise wird diese Formulierung in Bezug auf ein und denselben Menschen verwandt. Etwa nach dem Motto: Mein Gefühl sagt mir X, aber mein Verstand sagt mir Y ungleich X. Vielleicht ist in diesem Fall der Begriff ‚Gefühl’ eigentlich besser zu übersetzen mit ‚Intuition’. (Z.B. meine Intuition sagt mir: Kauf von den billigen Dingern doch ein paar mehr. Doch dann sagt mein Verstand: für was zum Teufel brauchst du so viele von den Dingern? Mir fällt da nix ein. Also laß das. Später sagt man sich dann: Hätte ich doch auf meine innere Stimme gehört! Das hast du jetzt von deinem Geiz). Daß es in ein und derselben Person einen Gegensatz gibt zwischen Intuition und Verstand, das kann vermutlich jeder bezeugen. Jedoch daß es in ein und derselben Person einen klaren Gegensatz geben sollte zwischen authentischem Gefühl und klarem Verstand halte ich für nicht plausibel. Es könnte doch eher sein: Jemand hat jenes Gefühl (z.B. eine Frau hat sich in einen bestimmten Mann verliebt) und jemand anders, etwa ihre Freundin sagt verstandesmäßig: laß das doch, der hat doch kein Vermögen, nachher geht’s dir dann schlecht. - Erst dadurch, daß zwei verschiedene Personen nebeneinander stehen entsteht der authentische Konflikt Verstand vs. Gefühl. Sie hat also nicht einfach die Intuition: ach ich sollte mich eigentlich in den verlieben und dagegen wägt der Verstand ab: aber andererseits hat er Pickel, er ist so unsicher, nicht selbstbewußt genug, das gefällt mir eigentlich nicht so gut an ihm. Hier hat sie noch alles im Rahmen ihrer Gefühle in der Hand. Sie kann sich ihrer Intuition überlassen oder ihren (kleinen) kritischen Verstandeseinwänden, die eigentlich ebenfalls mehr auf der Ebene der Intuition sind – sozusagen Gegenintuitionen. Jedoch wenn sie sich entschieden hat (die negativen Intuitionen erfolgreich verdrängt hat), sich in ihn zu verlieben, sie sich also ihrer ersten Intuition überläßt und sich noch weiter hineinsteigert, dann erst hat sie ihr Herz an ihn verloren m.a.W. ihr Gefühl ist klar ausgerichtet. Erst in diesem Moment könnte die Freundin von Relevanz werden mit sozusagen harten Verstandesargumenten.

 

Dann ist die Frage, ob sie sich von ihrem Gefühl weiterhin tragen läßt oder ob sie ihrer Freundin und deren Argumenten vertraut und sich ändert. Im ersten Fall bleibt sie Gefühlsmensch, im anderen Fall wird sie Verstandesmensch (sie ändert ihr Leben!). Und meine Behauptung ist: es gibt nur ein Entweder-Oder: entweder (primär) Gefühlsmensch oder (primär) Verstandesmensch. In jedem der beiden Fälle spielt der andere Aspekt nur eine rudimentäre Rolle.

 

Jetzt ist die Frage: Ist der Verstandesmensch gehandicapt? Oder ist der Gefühlsmensch gehandicapt?

 

Für beide Sichtweisen gibt es meiner Ansicht nach gute Argumente. Ich denke die Erlebniswelt des Gefühlsmenschen ist farbig, von Glück und oft genug auch tiefempfundenem Leid durchtränkt. Die Erlebniswelt des Verstandesmenschen ist eingeschränkt, er kann sich nicht so einfach an das Sosein hingeben. Es gibt eigentlich wenig, an das er sich einfach verlieren könnte (vielleicht ein paar Süchte). Er hat sich primär dem Geist verpflichtet – dort schillern seine Erlebnisfarben, wenn auch schwach. Deswegen gibt es weder hohes Glück noch tiefes Leid für ihn. Möglicherweise gilt folgende Formel: Die Stärke des Verstandesmenschen besteht darin, daß er versucht, Leid zu minimieren. Während die Stärke des Gefühlsmenschen darin besteht, Glück zu maximieren. Das A und O des Verstandesmenschen sind kritische Einwände, Argumente. Das A und O des Gefühlsmenschen sind spontane Eingebungen, ohne sich von kritischen Einwänden irritieren zu lassen: irgendwie wird schon alles Wichtige klappen – und womöglich noch besonders interessant, dadurch daß man nicht irgendwelche kritischen Einwände beachtete!

 

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt. Der Gefühlsmensch muß dir so manche Scheiße gut finden, um seine Gefühle entfalten zu können. Er hat insofern was geistig (soziologisch) Unentwickeltes. Für ihn gibt es keine kritische Transzendenz des Schlecht-Gegebenen. Er muß sich ja im Hier und Jetzt so arrangieren, daß er ein Maximum an Gefühlen herausholt. Er schaut sich also z.B. die schlimmsten Monumental-Schundfilme an  - und findet sie zwangsläufig saugut. Er hört sich in ohrenbetäubenden Groß-Discotheken die geistloseste Bum-Bum-Musik an und tanzt dazu, er trötet in Fußballstadien herum – und findet dies saugut. Der Straßenverkehr, die Sinfonien in Beton – das alles wird hingenommen. Soweit der Massen-Gefühlsmensch. - Der elitäre Gefühlsmensch muß unbedingt z.B. Mozart-Konzerte hören (bzw. als aktiver Geigenspieler - besser noch Klavierspieler - mitmachen) und die ‚Demokratie’ (so wie sie ist) gut finden. Er liest gern FAZ und sieht sich gern selbst als der kluge Kopf dahinter. Eigentlich ist alles gut! Jede Elite, jede Oligarchie ist gut. Das ist das Credo der Gefühlsmenschen ob elitär oder als Masse – selbst wenn sie sich manchmal gesellschaftlich kritisch äußern. Wenn sie politisch wirken, dann um dieses Credo zu erfüllen.

 

Fundamentalkritik ist insofern rein etwas für Verstandesmenschen – auch wenn diese Kritik letztlich allen zugute kommen soll. Das heißt natürlich nicht, daß Verstandesmenschen eo ipso Fundamentalkritiker sind. Die letzteren sind nur eine kleine Auswahl der ersteren. - Leute, die kühl vor allem ihre Vermögenswerte bei ihren Entscheidungen betrachten sind sicherlich Verstandesmenschen, die möglichst alle intervenierenden Gefühlsentscheidungen hintenanstellen. Das ist aber die Art von Verstandesmenschen, die mich jetzt bei dieser Analyse wenig interessiert, auch wenn sie wahrscheinlich die Mehrheit der Verstandesmenschen ausmacht. Mir geht es hier vor allem um den Gegensatz zwischen dem unreflektierten Gefühlsmenschen, der sein Beziehungsleben nicht verstandesmäßig reflektieren kann und demjenigen, der in der Lage ist, sein Beziehungsleben (und dasjenige Anderer) zu reflektieren vom humanistischen (und nicht lediglich vom vermögenstechnischen) Standpunkt aus.

 

Man merkt, man hat hier ein schwieriges Thema vor sich.

 

Meine Trauer um den Verlust meiner poetischen Gefühle sollte ich mir eigentlich endlich mal abschminken. Denn wenn meine These stimmt, daß es den klaren Unterschied zwischen Verstandesmensch und Gefühlsmensch gibt – und wenn der letztere Mensch in mancherlei Hinsicht der entwickeltere, wenn auch deswegen nicht der eigentliche Mensch ist – dann sollte ich endlich einmal zu meiner Umpolung  und weiteren Entwicklung (seit 1970) voll und ganz stehen! Denn zweifellos kann man a) nichts rückgängig machen und b) nicht auf seine Erkenntnisse Verzicht leisten, damit man irgendwelche Scheiße gut findet, nur um seine Gefühle (z.B. dadurch daß man ‚in’ ist) zu retten.

 

Das ist womöglich das ganze Geheimnis. Das nenn ich doch mal eine Erkenntnis!

 

Diese klare Entscheidung macht endlich alles einfacher.  –  Es stellt sich natürlich die Frage, wie sollte ich in Zukunft mit Gefühlsmenschen umgehen? – Erstens müßte mir klar sein, daß sie meinen Wertvorstellungen durchaus nicht nur mit anfänglich freundlicher Skepsis sondern letztlich mit Unverständnis, vermutlich sogar Ablehnung, gegenüberstehen. Denn alles Verstandesmäßige, was ihre Lebensphilosophie definitiv kritisiert mit der Gefahr, daß diese Kritik sie umpolen würde (d.h. daß sie selber Verstandesmenschen werden würden!) – und sei es noch so soziologisch plausibel – wirft sie aus den Pantoffeln und sie werden dies intuitiv,  und  durchaus zu Recht, zu meiden suchen. (Z.B. meine Ansicht über negative Aspekte der Sexualreligion). Das bedeutet aber im Endeffekt, daß ich eigentlich mit kaum Einem mehr ernsthaft Kontakt herstellen kann, denn verleugnen will ich mich selber und meine Erkenntnisse auch nicht.

 

Nun kommt noch zum Schluß eine utopistische Ansicht, die ich schon seit einiger Zeit vertrete:

Wenn die Gesellschaft endlich in Ordnung werden würde, daß ich mich in ihr wohl fühlen könnte, weil keine entscheidenden Fundamentalkritiken mehr angebracht und nötig sind, dann wäre die kritische Barriere des Verstandes weitgehend überflüssig, sie diente nur noch rein produktiven und konstruktiven Zwecken und ich könnte mich in die Gesellschaft mit vollem Recht hineinfallen lassen und dann das volle Glück der Gefühlsfähigkeit erleben.

 

Ich sollte in Wahrheit wirklich froh sein darüber, was sich bei uns beiden - Barbara und mir -  real abspielt. Einerseits sind wir beide Verstandesmenschen. Andererseits wollen wir aber das Gute und Schöne erleben und das Wahre verwirklichen. Es ist wohl so, daß wir bei unserem Glück von der Tugend ausgehen – eben weil diese das Unglück vermeiden hilft. Das Gute & Schöne ist aber nicht identisch mit Glück – das Wahre leider auch nicht. Glück ist Narzißmus: In-sein, egal in welcher Scheiße. – Sich positiv gespiegelt sehen in einer gesellschaftlich relevanten Umwelt. Hitler 1938 im Sudetengau zujubeln  – das ist Glück! (Um es einmal extrem auszudrücken).

 

Froh habe ich zu sein, daß ich eine halbwegs Glücksgeschichte erlebe. Es gibt eine prima Frau, mit der ich zusammenlebe mit einem prima Beruf und wir leben in einem ziemlich prima Haus und ich bin halbwegs gesund und aktiv.  Es gibt prima Musik, es gibt prima Filme, es gibt prima Literatur, die wir beide meistens gleichartig gut finden, es gibt desweiteren eine ungeheure Menge Wissen. – Wir finden noch abundzu (leider immer seltener) prima Weltgegenden, prima Kneipen & Restaurants, prima Saunas und Wellness-Parks, prima Kinos und manchmal (wenn auch sehr selten) Theater vom Feinsten, die wir genießen; primissima Essen & Trinken; nicht selten (wenigstens partiell) prima Menschen, dann last not least: prima Computer, prima technische Geräte, prima Werkstoffe für unser Haus, entsprechend prima handwerkliche Aktivitäten usw. – Das sind zwar alles wichtige Details, die jedoch auch als Summe noch keine geborgene Ganzheit darstellen können, aber sie bilden ein halbwegs prima Leben in einer weitgehend kaputten Welt.

 

Vielleicht sollte ich probieren, den Gefühlsmenschen zu imitieren und versuchen, all die prima Sachen, die wir erleben, die wir verwirklichen und haben aufzuzählen, gut zu finden, und danach trachten, noch mehr solcher prima Sachen zu finden. Im Gegensatz aber zum authentischen Gefühlsmenschen bräuchte ich sodann das Andere nicht zu ignorieren: Die Gefahren, die Häßlichkeiten und Falschheiten. Da könnte ich dann voll den kritischen Verstandesmenschen raushängen lassen. Ich sollte einfach mal erproben, auf beiden Klaviaturen zu spielen.

 

 

Übrigens bilde ich mir ein, durch diese Klärung endlich ein Phänomen entschlüsseln zu können, dessen Erklärung sich mir bis jetzt entzogen hat.

 

Mir kam es strange vor, daß die von uns ausgesuchte Musik auf Kassetten weitgehend skeptisch betrachtet wurde von unseren Gästen. Das ging soweit, daß ich mittlerweile gar keine Lust mehr habe, diese von uns für gut befundene und ausgewählte Musik vor anderen Leuten abzuspielen (wiewohl das sicherlich ein starkes Motiv für ihre Zusammenstellung war). Unsere Musik ist durchaus gefühlvoll und auch sonst anspruchsvoll  und unserer Ansicht nach in jedem Falle besser als z.B. das stereotype südamerikanische Lullizeug, das einem von den In-Leuten gerne als das Nonplusultra vorgespielt wird. (Oft genug finden sie dann ja auch Raggea saugut und außerdem irgendwelche Brainkillers aber in jedem Falle Jazz).

 

Ich denke das Geheimnis ist folgendermaßen zu entschlüsseln. Die Leute hören Musik (und es gibt ja mittlerweile ungeheuer viele und unterschiedliche Musik) primär vom In-Sein-Standpunkt. Wenn sie merken, daß da Musik von unserem Standpunkt aus gespielt wird, dann ist das quasi gar kein Standpunkt. Wir zählen für sie dann offenbar unter die Leute „die keine Ahnung haben.“ Dann läuft so ein (durchaus hochintelligenter) Zuhörer auf einer unserer Parties auch gern schnell mal zum Auto und holt ein paar CDs, daß hier endlich „richtige Musik“ gespielt wird. Oder es taucht auf einer unserer Kassetten der ‚Unmensch’ Dieter Bohlen und ‚Modern Talking’ mit einem prima Lied You're My Heart, You're My Soul auf: geschlossen weigern sich meine In-Gäste (die sich hier trotz aller sonstigen Nonkonformität als auf ihre Weise verdammt konventionell erweisen), noch weiter zuhören zu wollen. Ich muß die Kassette auf der Stelle unterbrechen, herausnehmen und am besten gleich vernichten. Es interessiert die nicht die Bohne, daß dies ein gutes Lied ist, und daß das Stück schon 1985 produziert worden ist. Ich stehe als Trottel da.

 

Solche ähnlichen Erfahrungen machen wir auch mit Filmen. Man wundert sich oft, was für ein Kitsch von ansonsten weltoffenen, aufgeschlossenen und intelligenten Menschen voller Inbrunst aufgesogen wird. Umgekehrt interessiert im Prinzip niemanden unsere Videokassetten-Sammlung der besten Filme, die je gedreht wurden (z.B. Lohn der Angst, Fluchtpunkt San Franzisco, Jenseits von Eden, Tanz der Vampire, Faßbinder-Filme usw.). Wir würden gerne mal gemeinsam mit irgendwelchen Gästen solch einen Film sehen. Doch die ‚Geschmäcker’ sind in der Regel viel zu verschieden.

 

Das eigentliche Mysterium der Sache liegt darin, daß wir, also Barbara und ich, Kunstwerke vom Verstandes-Standpunkt als ‚gut’ oder ‚schlecht’ bewerten (z.B. ob die Darstellungen darin echt sind oder unecht, realistisch oder unrealistisch, verkrampft oder humormäßig distanziert) und uns nicht durch irgendwelche Mode-Ansichten unsere Meinungen vorgeben lassen. Wir erspüren beispielsweise die Gefühlslage beim Hören eines Musikstückes in unserer Seele: ob wir intuitiv das Musikstück am Verstärker lauter stellen oder leiser drehen. Wenn wir merken, daß wir intuitiv das Musikstück lauter stellen am Drehknopf ist dies ein Grund dafür, das Musikstück auf Cassette aufzunehmen – und umgekehrt. – Das können offenbar (prinzipiell konventionalistische – und welche gibt es sonst?) Gefühlsmenschen nicht. Die haben es in der Regel nicht gelernt in sich, in ihre Intuition, hineinzuhören: die machen dann laut, weil es sich hier so gehört (was ihr In-Sein bestätigt) und schalten dann aus oder um, wenn es sich nicht so gehört (vgl. den Fall Dieter Bohlen). In sich hineinhören und daraus Schlußfolgerungen ziehen, können offenbar nur solche kritischen Verstandesmenschen wie wir, die dennoch auf Gefühl Wert legen.

 

Hieran merkt man übrigens, daß das mit dem Gegensatz Gefühl vs.Verstand gar nicht so einfach ist, wie man gerne denken will: hie der rationale, verschlossene Verstandesmensch – dort der emotionale, offene Gefühlsmensch. -  Manche geben sich vielleicht gerne als rationale Verstandesmenschen, die in Wahrheit armselige Maul-Stinker sind, die sich in Betrieben und Institutionen (beispielsweise Universitäten) wichtigtuerisch als rational ‘wissenschaftliche’ Leute in Weißkitteln aufblähen. Die haben weder Verstand noch Gefühl und sind einfach nur selbst-entfremdete willfährige Helfer jeder bestehenden Macht. Um diese (manchmal sogar hochdekorierten) bürokratischen Zivilisationszüchtungen ohne Zugang zum eigenen Wahrheitskriterium geht es hier überhaupt nicht. Sie fallen einfach raus. Sie sind im wahrsten Sinne geistig irrelevant. (Man denke beispielsweise an Keitel im Führerhauptquartier).

Es gibt desweiteren  noch die oben schon angedeuteten (keineswegs geringzahligen) Vermögens-Rationalisten beispielsweise der Vermieter-Briefe und Aktien-Depots, die ihre eigene Realität von ‘Verstandesmensch’ haben, die sich streng innerhalb des Zirkels Reichtumsvermehrung bzw. Vermögensbewahrung bewegt, als Voraussetzung für alles Sonstige im Leben (was nicht meine Welt ist). Um diese Variante durchaus authentischer Verstandesmenschen geht es mir - wie schon oben gesagt - hier nicht.

 

Ich behaupte jetzt mal als Formel (und das ist ja auch die übliche volkstümliche Ansicht): Die Verstandesmenschen haben nicht die Gefühlserlebnisse, die der Gefühlsmensch hat. Das ist ihr Manko.

Aber das Folgende ist jetzt nicht mehr allgemeine ‘Volksweisheit’:

Dafür gerät der wahre Verstandesmensch nicht so leicht in die Unglücksgeschichten (und undurchschauten Psycho- und psychosomatischen Geschichten), in die die wahren Gefühlsmenschen typischerweise allzuoft hineingeraten - wie meine eigene Lebenserfahrung lehrt. Er hat mehr Verfügungsgewalt über sein Gesamtleben.

Dafür aber weniger Intensität bezüglich seines Detaillebens.

 

Was ist nun besser? – Meines Vermutens handelt es sich um eine quasi aufgezwungene zivilisatorische Dichotomie, aus der es kein wirkliches Entrinnen gibt – es sei denn man hat irgendwann die versöhnte Gesellschaft (im Sinne Adornos).

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Ganz kurze Anmerkung: aus Gründen intellektueller Redlichkeit sollte man aufgrund der vorhergehenden Darlegungen vielleicht darauf hinweisen, daß es durchaus fragwürdig ist, ob man die Formel von Freud “wo Es war soll Ich werden” bzw. die implizite Behauptung C.G. Jungs von der Vorteilhaftigkeit der Bewußtwerdung noch so frei & fröhlich unterschreiben kann wie etwa in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. (Ob nicht von hier aus auch verständlicher wird der Sog in Richtung Esoterik, um die Gefühlsfähigkeit gegenüber der gefühlsvernichtenden Verstandestätigkeit zu bewahren, egal wie richtig letztere und wie falsch erstere ist).