Post-Histoire

 

01.08.06

Post-Histoire

 

Es gibt nix mehr zu schreiben. Wir haben alles weggeschrieben, was es zu schreiben gab. Wir leben im Post-Histoire!

 

Doch noch eine letzte Frage: Wessen Histoire? (wessen Histoire wird hier geschrieben bzw. als beendet angesehen?) - eine Phase der Menschheit (laut Marxismus: die feudalistische und kapitalistische – und schließlich sozialisistisch/kommunistische) oder gar keine ‚Phase’ sondern ein Experiment, das imperialistische?? – Also das imperialistische Experiment der Menschheit? – Das wäre doch auch mal eine ganz andere nette Geschichtstheorie? – Oder sehe ich da was falsch? - M.a.W. Vielleicht ist doch noch gar nicht das Ende der Reflexion erreicht?

 

Der Unterschied mag vielleicht nicht sofort einleuchten. Doch im ersten Fall (Phase) geht es um eine Kontinuität, um eine quasi logische Abfolge, während im zweiten Fall (Experiment) die Diskontinuität hervorstrahlt. – Ein ‚Experiment’ kann gelingen oder nicht. Es ist halt nur so ein Versuch. Während eine ‚Phase’ was Unentrinnbares  im Evolutionsgefolge an sich hat. Sie muß sozusagen zwangsläufig durchlaufen werden – dann kommt die nächste ‚Phase’ – wir sind einerseits selbst alle schuld und andererseits können wir wirklich gar nix dazu. Aber aussteigen können wir  höchstens im kleinen Rahmen als Bauern, Handwerker oder so (wir sind dann einfach nur ‘altmodisch’, der nächsten Phase nicht gewachsen).

 

Insofern sind wir bei der Phasentheorie bzw. Evolutionstheorie hypnotische Gefolgsleute einer ‚Entwicklung’, die man uns verspricht – oder die wir uns selbst versprechen. Aber diese ‚Entwicklung’ kann niemand garantieren. Wir glauben daran – oder nicht. Aber auch der Glaube, selbst wenn er Berge versetzen kann, ist meines Ermessens kein Garant für diese ‚Entwicklung’.

 

 

Dagegen ein ‚Experiment’ ist wesentlich folgenschwerer. Einerseits kann man versuchen zu sagen, ich steige aus. Andererseits gibt es die Entgegnung – „Baby Du steckst mitten drin, da kann niemand mehr aussteigen!“ Und in der Tat: sobald dieses gesellschaftliche Experiment des Imperialismus (im alten Griechenland, Rom, Ägypten, Persien, oder von Karl dem Großen, usw.) in Gang gesetzt wurde gab es kein Halten – und für immer mehr Menschen – selbst wenn sie wollten - kein Entrinnen mehr – wie bestenfalls noch beispielsweise für die Mönche in der späthellenistischen Zeit, die (vermutlich) das ganz Andere in ihren Klöstern und Eremitagen zu verwirklichen suchten.

 

Wenn also (nach meiner versuchsweisen Geschichtstheorie), eigentlich der Imperialismus ein historisches Experiment ist – dann gibt es gar nix zu tun außer  abzuwarten. Alle ‚Kritiken’ waren demgegenüber lediglich immanent – einschließlich ‚humanistischem Klerikalismus’,  ‚Demokratismus’, ‚Kommunismus’ oder ‚Sozialismus’ etc.pp.. Sie dienten bestenfalls der Erkenntnis - deren Förderung man dem (westlichen) Imperialismus als eine interessante Tatsache anrechnen kann.

 

‚Immanent’ heißt: es gibt nur vorübergehende humane Lösungen auf dem imperialistischen Vulkangebiet. – Das imperialistische Gesellschaftssystem seit den 3000- 4000 Jahren, wo es sich irgendwo in der Welt etabliert hat, gibt niemals Ruhe und ist bereit (notfalls), jedweden Humanismus (der von sich glaubt offiziell für die Gesellschaft gültig zu sein) ad absurdum zu führen.

 

Gibt es hierzu generell und zu jeder Zeit eine demokratische, rechtsstaatliche Gegenbewegung, die tatsächlich genügende Macht dagegen hat wie beispielsweise bei der amerikanischen demokratischen Revolution im 18. Jhdt. gegen die Engländer?

 

Gibt es ein Entrinnen aus diesem – wie ich vermute -  imperialistischen Experiment (einschließlich Klima-Katastrophe), wenigstens in unserer Epoche? – Ist diese Erkenntnis der Unentrinnbarkeit (oder deren Ignoranz?) das, was  ‚Post-Histoire’ genannt werden sollte? –  Oder bedeutet ‚Post-Histoire’: Wir können sicher sein: alles wird gut – weil wir ja unsere demokratischen Institutionen haben – und keiner braucht sich Sorgen zu machen?

 

  • ODER SOLL AN UND FÜR SICH EIGENTLICH GAR NICHT ALLES GUT WERDEN? – SONDERN IM GEGENTEIL GAR NIX?– Gute Frage – ne?

Offenbar gibt es mittlerweile ein Hin- und Herschwanken zwischen Imperialismus und Humanismus. Vielleicht (und das wäre endlich eine Erklärung für die Verhinderung aller Gegenmaßnahmen) soll die Klimakatastrophe dazu dienen, dem angeschlagenen Imperialismus bald wieder auf die Sprünge zu helfen - und dem mittlerweile herangewachsenen Humanismus den K.o.-Schlag zu versetzen (interessante Hypothese, ne?).