zwei Fraktionen

 

03.01.10

 

Die zwei Fraktionen

 

Es gibt zu etlichen Sachverhalten 2 Fraktionen:

 

  • Die einen mögen Sylvester-Knallerei, die anderen nicht (haben Angst davor).
  • Die einen haben Angst vorm Fliegen, die anderen lieben es, zu fliegen.
  • Die einen mögen Alkohol, die anderen eigentlich gar nicht (oder kaum).
  • Es gibt die Raucher und die Nichtraucher.
  • Heteros und Schwule.
  • Die einen halten Gesetze unbedingt für das, was Gerechtigkeit darstellt, die anderen nicht unbedingt (sie glauben etwa an eine natürliche Gerechtigkeit, die keineswegs identisch ist mit den Gesetzen).
  • Die einen mögen die neueren Science Fiction Filme „Star Wars“ (seit 2003), die anderen überhaupt nicht.
  • Die einen freuen sich, wenn sie gefilmt (oder fotografiert) werden, die anderen fühlen sich dabei unwohl.
  • Die einen wollen schlank sein, damit sie gesellschaftlich gut ankommen, die anderen fressen lieber und verzichten dadurch zwangsläufig aufs Schlanksein.
  • Es gibt die Neigung, eher Bourgeois, d.i. Egoist zu sein, oder eher Citoyen, d.h. dem Allgemeinwohl verpflichtet zu sein.
  • Es gibt die reinen Praktiker und solche, für die nichts praktischer ist, als eine gute Theorie.
  • Die einen glauben an ein Leben nach dem Tod, die anderen nicht.
  • Es gibt begeisterte Handy-Benutzer und andere, die eher Handy-Muffel sind.
  • Es gibt begeisterte Computer-Benutzer und andere, die eher Computer-Muffel sind.
  • Es gibt Leute, die Bücher lesen und andere die das nicht (oder kaum) tun.
  • Es gibt Leute, die an die Ärzte und die offizielle Medizin glauben und andere, die (zumindest) teilweise skeptisch sind.
  • Es gibt Leute, die auf der Autobahn gerne rasen, und andere, die eher vorsichtig fahren.
  • Es gibt Leute, die gerne möglichst viel aufbewahren wollen („Messies“), und andere, die möglichst wenig ‚Ballast’ in der Wohnung oder im Haus haben wollen.
  • Es gibt Leute, für die Kindererziehung etwas  rein Subjektives, Spontanes, ‚Instinktives’ zu sein hat, und andere, für die objektives Wissen eine wesentliche Rolle zu spielen hat.
  • Es gibt diejenigen, für welche die Sexualität der Schmutzzone zugehörig ist und die anderen, für die sie der Edelzone zugehörig zu sein hat.
  • Es gibt Katzenliebhaber und Katzenfeinde.
  • Es gibt die Fleischfresser und die Vegetarier.
  • Es gibt die Eltern, die Behinderungen schon möglichst vor der Geburt vermeiden wollen, und andere, denen dies kein Thema ist, die Behinderungen durchaus tolerieren können.
  • Es gibt Leute, die relativ schmutz- und staubtolerant sind und andere, die auf strikte Sauberkeit hohen Wert legen.
  • Leute, die der Ansicht sind, Kinder gehören prinzipiell zur Mutter vs. Kinder gehören genauso auch zum Vater.
  • Neubauten als nüchterne Modernisierung vs. gefühlsmäßige Ästhetik.
  • Die einen, die auch im Winter in einer kühlen Wohnung leben wollen, die anderen, die es vor allem im Winter mollig warm haben wollen.
  • Es gibt Leute, die begeistert Sport treiben und andere nicht.
  • Menschen, die aktiv und/oder kreativ sein wollen und andere, die am Liebsten desinteressiert auf der faulen Haut liegen wollen und dabei Gott einen guten Mann sein lassen.
  • Die einen sind begeisterte Fußballanhänger, die anderen nicht.
  • Scharfe Gewürze im Essen vs. Abstinenz gegenüber scharfen Sachen.
  • für weitere soziologisch oder psychologisch interessante Beispiele wäre ich dankbar...

 

Jeder denkt, seines sei die einzige Wahrheit. Darum geht es hier.

 

Strucki z.B. war echt erschüttert, als er mit Ralf bei Gerhard an Neujahr auftauchte, und Gerhard bot ihm einen Saft bzw. einen Tee an statt Bier. Das konnte Strucki einfach nicht verstehen, daß ein Typ, den man ernst nehmen soll, kein Bier säuft! Daß Gerhard kein Bier im Hause hatte, wenigstens  für etwaige Gäste, das hat Strucki, lt. Ralf, ihm nachträglich noch übel genommen.

 

Bei diesen Gegensätzen gibt es kein gegenseitiges Verständnis! Das muß man als reifer Mensch zur Kenntnis nehmen. Es handelt sich um definitiv unterschiedliche Wertvorstellungen, wo immer dieselben auch herkommen und wie sie evtl. erklärbar sind. Die einzige Art von Toleranz, die hier möglich und gleichzeitig auch wichtig ist: zu wissen, daß die andere Seite existiert und daß sie eine gewisse gesellschaftlich anerkannte Stützung für ihre Wertvorstellung hat, auch wenn man das keineswegs als für sich selber als  gültig akzeptiert. – Der große Intoleranz-Fehler ist, anzunehmen, daß die eigene Wertvorstellung die einzig mögliche ist, und die andere Wertvorstellung ein reiner Irrsinn oder was Krankhaftes ist. (Siehe dazu auch die philosophischen Zitate in 2005.)