Sexualreligion

 

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04.11.05

 

Negative Logik der Sexualreligion

 

 

Sexuell attraktive junge Weiber sind in der Männerwelt eine begehrte Rarität. (Vgl. als Einleitung hierzu das Thema Raritäten). Wie das zustande kommt ist jetzt nicht die Hauptfrage, die hier behandelt werden soll. Es geht eher um die Frage, welche Logik die Angelegenheit in sich birgt.

Grundvoraussetzung:

Jede begehrte Rarität will eine besondere Gegenleistung. Da wird nichts verschenkt. Der Gleichberechtigungs-Dialog nach dem Motto zweier Goldmünzen: „du wiegst genauso viel an Gold wie ich, also bin ich genauso viel wert wie du“ drückt Beklopptheit aus, denn da vergisst die weniger rare Goldmünze die spezielle Prägung auf der anderen (seltenen und unter Sammlern begehrten) Münze.

 

Erste Logik: Eine junge Frau, die sich in dieser Rarität gespiegelt sieht, verspürt in der Regel relativ wenig Motivation sich als Persönlichkeit jenseits dieser Raritäten-Identität zu entwickeln, sondern will ihre Persönlichkeit in dieser Identität weitgehend aufgehen lassen und tut dafür ingenieurmäßig meist auch einiges: Styling, Dressing, Körperpflege, Gewichtskontrolle, Gymnastik etc. Dafür gibt es eine Reihe spezieller bekannter Frauenzeitschriften mit allerlei Schönheitstipps und viel Reklame einschlägiger Produkte. Dafür gibt es in jeder Stadt erstaunlich viele Weiberklamottenläden, Schuhläden, Parfümläden, Taschenläden, Schmuckläden usw. An kommunikativer Kompetenz ist es ihnen wichtig, ihre Rarität nicht zu billig zu verkaufen. Da sie als solche Fachfrauen meist nur über einen eingeschränkten Horizont (praktischer und geistiger Art) verfügen, ist ihre Vorstellung von billig oder teuer Verkaufen natürlich entsprechend armselig – bis herunter zum baren Geld als Nutte. – Aber  überhaupt sprengt dieses Raritäten-Verkaufsmilieu das natürliche, freundschaftliche, menschliche Zusammensein.

 

Tobi: Nicht immer ist das so. Es gibt auch hübsche Frauen, die trotzdem für ihre Persönlichkeit einiges tun. Beispiel Schriftstellerinnen oder Sharon Stone, eine nicht nur schöne, sondern auch hervorragende Schauspielerin.

 

Manni: Deshalb schreibe ich ja ausdrücklich unter dem Vorbehalt „in der Regel“. Ich selbst habe in der Tat solche Frauen persönlich kennengelernt und will das auch keineswegs ignorieren. Aber es ist ungefähr so: Unter der Voraussetzung, dass jemand Engländer ist, spricht er in der Regel kein Deutsch. Dennoch kenne ich ein paar Engländer, die Deutsch können, manche sogar ganz exzellent.

 

Zweite Logik: Unter dieser Voraussetzung sind die Männer in der Regel der Verunsicherung ausgesetzt, wenn sie sich auf jenes Raritätenprinzip einlassen. Sie müssen ja was Besonderes ‚bieten’. Die meisten haben aber nicht viel Besonderes, sind also am Hinterherhecheln. Selbst wenn sie mal rankommen, können sie von den Weibern tribuliert werden, indem diese geschickt das herausarbeiten, was der betreffende Mann nun gerade nicht hat. Und das was er hat, wird gelassen ignoriert. Sie suchen halt den besonders interessanten Mann, der selber eine Rarität (für die anderen Weiber) darstellt. Diese Wertermittlung des Mannes ist an sich ein mysteriöser Vorgang, der sich wandelt wie die Mode. Es gibt allerdings gewisse Konstanten: Vermögen, Einkommen, Status - nebenbei auch gutes Aussehen, kann meist nicht schaden. Manchmal ist auch Geist und Kultur gefragt.

 

Tobi: Schon richtig. Aber wäre eine Situation ohne Verunsicherung besser? Was ist mit den Luschies, die weder meinen, ihr Äußeres in Stand halten zu müssen und zu faul sind, irgendetwas für ihre Bildung zu tun und einfach nur dumm rumhängen?

 

Manni: Daß jemand nicht zu den Auserwählten gehört, heißt nicht, dass er nun der letzte Penner ist.

Es geht nicht darum, dass hier ‚Luschis’ zu recht kritisiert werden, weil sie ja nun unterm Strich sind. Sondern es geht um ‚die Meisten’, die nicht zu den Auserwählten gehören – aber dennoch nicht notwendigerweise ‚Luschis’ sind. Für die ‚Luschis’ ist ‚Verunsicherung’ von mir aus ok. Für die ersteren ist sie fragwürdig und meiner Ansicht nach eigentlich einer Beziehung von vornherein abträglich.

 

Dritte Logik: Beziehungen mit solchen Weibern sind auf einem ziemlich schwachen Fundament gebaut. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens der Mann selber, der sich auf solch eine bildhübsche Frau (wegen ihrer Attraktivität) einlässt, hat ja sicherlich auch Interesse an anderen bildhübschen Frauen - bzw. an einer noch bildhübscheren Frau.

 

Tobi: Also das leuchtet mir nicht ein. Meine erste war wirklich bildschön und ich habe nicht mal im Traum dran gedacht, mit einer anderen rumzumachen.

 

Manni: Gut, ok, ich laß mich belehren. Ich hätte besser wieder mein „in der Regel“ einfügen sollen. Danke für den  Tip!

 

Folglich kann so ein Mann nur sehr schwer eindeutig sein. Das drückt sich nebenbeigesagt auch typischerweise an einer missratenen realen Sexualität aus (z.B. Bilder anderer Frauen beim Ficken im Kopf, Ejakulatio Praecox, maschineller Mechanismus beim Ficken, Onanie und damit Verlust der Orgiastik). Zweitens sie selber würde (aufgrund ihrer Identität als Schönheit) ihren bildhübschen Körper auch gerne anderen Männern zeigen (und evtl. zur Verfügung stellen), auch wenn sie sich wegen ihrer stolzen Spezialeroberung, die sie behalten will (= ihr Mann) zunächst Hemmungen auferlegt. Vielleicht spielt sie auch mit einem besseren Verkauf ihrer Attraktivität – folglich ergibt sich für beide Teile eine Latenz der Gefährdung der Beziehung. Drittens ihre tendenzielle geistige Blödheit und Desinteressiertheit (“Dämlichkeit”). Wenn sie nicht schon bald irgendwelche gravierenden Fehler aufgrund ihrer geistigen Beschränktheit macht, so wird im Laufe der Zeit ihre Fadheit und sonstige Unfähigkeit immer deutlicher.

 

Tobi: Kann so kommen, muss aber nicht.

 

Manni: D’accord. Dennoch behaupte ich nicht ein einfaches ‚kann’ sondern schon einiges mehr, nämlich ‚tendenziell’ (um mal einen statistischen Ausdruck zu gebrauchen)

 

Vierte Logik: Beziehungen unter diesem Stern (der sexuellen Attraktivität) haben eben (üblicherweise) keinen anderen Stern: es kann sich keine wirkliche Gemeinsamkeit entwickeln, es war sowieso immer eine Fremdheit da, und gemeinsam kann man weder praktisch noch geistig zusammen wirklich klar kommen.

 

Tobi: Also dass „üblicherweise“ keine andere Gemeinsamkeit dazukommen kann, ist wohl eine Vermutung. Ich höre oft das Gegenteil, dass die sexuelle Gemeinsamkeit das Tor zu mehr öffnet. Sowas ist doch auch kostbar, also tut man eher etwas für die Beziehung, sofern man nicht blöd ist.

 

Manni: Stimmt schon, da hast Du recht, das ist eine Vermutung. Da müsste man empirisch dran arbeiten. Die Sache genauer beobachten. Aber es geht hier als Voraussetzung (Beziehung unter dem Stern der sexuellen Attraktivität des Weibes)  nicht um „sexuelle Gemeinsamkeit“ sondern um „sexuelle Attraktivität“. Das ist ja ein Unterschied des Begriffes. So kann z.B., wie man oft liest, die Frau (und durchaus auch die sexuell attraktive) dem Mann des öfteren den Beischlaf verweigern, so daß er trotz Ehe froh ist, wenn er mal dran kommt. Inwieweit die ‚sexuelle Gemeinsamkeit’ unter dem besagten Stern dann das Tor „zu mehr“ öffnen kann – wo, bzw. in welchem Zusammenhang, hast Du das zum Beispiel konkret gehört? Das wäre ja schon mal interessant zu wissen. Und dann natürlich auch, wie die Geschichte dann ausgegangen ist.

 

Fünfte Logik: Es ergeben sich aus den vier vorhergehenden Punkten mit hoher Wahrscheinlichkeit diverse Beziehungsprobleme und Konflikte, wodurch beide verhäßlichen. Je hässlicher sie aber wird, desto mehr hat sie ausgespielt. Das Zusammenleben, ja oft das Leben überhaupt, wird für sie und für ihn zur Farce.

 

Diese fünf Logiken stellen eine Typologie dar, die sich wahrscheinlichkeitsmäßig ableitet aus der gegebenen Grundvoraussetzung. Man müsste das selbstverständlich genauer empirisch studieren. Aber welches Universitätsinstitut würde solch eine Fragestellung ernst nehmen? Man würde meiner Vermutung nach allein schon die Relevanz des Themas in Frage stellen, da dies alles rein private Geschichten sind. Ich behaupte aber im Gegenteil, dass die Relevanz dieses Themas immer mehr zunimmt. Denn je mehr die Welt durch funktionale Architektur, Gewerbezentren, Straßenbau usw. verhäßlicht wird, desto mehr tauchen als Ersatz jede Menge schöne Larven auf: herausgeputzte, gestylte und trainierte sexuell attraktive junge Weiber mit schönen Gesichtchen, die immer magnetischer die Männerblicke aller Altersklassen als Glücksversprechen auf sich ziehen. Es bildet sich sozusagen eine verengte Ersatzwelt heraus, die den Blick des Glücks nicht mehr frei an schönen Orten und dazugehörigen Situationen festmacht, sondern süchtig und drogenmäßig an diesen jungen Weibern mit ihren hübschen Larven und fantastisch sexuellen Lock-Verkleidungen an grässlich hohlen funktionalen Orten festsaugt. Daneben humpeln, rasen und stöckeln in teuren Klamotten unmäßige Massen von hässlichen Spießern, die mit dem Leben mittlerweile fertig sind, bzw. schon immer waren, als Schattenexistenzen durch die Einkaufsstraßen und Kaufhäuser. - Sicherlich gibt es gottseidank immer noch eine Menge anderer Leute, die in diese zugegebenermaßen zugespitzten Kategorisierungen nicht - oder nicht gänzlich -  hineinfallen, die sich trotz allem ihren eigenen Weg jenseits dieses Mainstreams suchen, und denen es nach wie vor - oder jetzt erst recht -  auf Beziehungen als solche ankommt.

 

Tobi: An dieser Idee könnte was dran sein. Die unsägliche Gestaltung unserer Umwelt, bzw. die Unfähigkeit zur Gestaltung könnte dazu führen, dass sich die Augen am Künstlichen ausweiden. Was sollen sie auch sonst tun? Aber dass Verhässlichung, von der du sprichst, sich ausgerechnet und in korrelierender Weise in besonderer Aufmerksamkeit für sexuell attraktive Frauen darstellt dürfte schwer nachzuweisen sein. Ich denke, die Generationen vor uns haben immer schon ihre Beauties gehabt, denen sie nachgehechelt sind.

 

Manni: Meine Argumentation zielt eigentlich auf eine Wechselbeziehung einerseits des süchtigen Männer-Blickes auf schöne junge Weiber (ohne hinreichende Alternative zu sonstigem ‚Raum- und Situations-Glück’) – andererseits der immer weiter eskalierenden fantastischen Lock-Verkleidung der sexuell attraktiven jungen Frau. Es werden von diesen Weibern außerdem in der Tat immer mehr. Wo es früher nur ein paar Sex-Bomben waren, sind es heute ganze Abschnittsbelegungen von Bomben & Granaten.

 

Daß die ganze Angelegenheit schwer nachzuweisen ist, dieser Einwand ist sicherlich korrekt. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Angelegenheit nicht existiert. Die eigentliche Frage wäre – lt. Popper: wodurch ließe sich meine Hypothese widerlegen?

 

Ok. Die früheren Generationen von Männern haben ihre ‚Beauties’ gehabt. Aber sie haben auch ihre Kirchen, ihren Wandervogel, ihre Arbeit, und ihre Klassengesellschaft gehabt, sodaß da für solche ‚Beauties’, zum mindesten für die unteren Klassen, nicht allzu viel Raum blieb. Außerdem hatten sie weniger Reklame, weniger Filme, weniger oder kein Fernsehen, nur heimliches armseliges Porno. – Also, da hat sich schon qualitativ und quantitativ ziemlich viel geändert. – Muß ich noch viel zu den früheren Generationen von Weibern erzählen? Da hat sich ebenfalls qualitativ und quantitativ ziemlich viel geändert. Was früher weitgehend in der normalen Öffentlichkeit als ‚unschick’ galt, ist heutzutage gang und gäbe. (Futthosen, Miniröcke, geschickte Entblößungen, Knackhintern rausarbeiten, Schminken bis zum Anschlag, Schmuck ohne Ende usw.)

Desweiteren hat sich parallel mit diesen Veränderungen auch die Landschaft und die Städte & Dörfer geändert. Die Lebensumwelt wurde versachlicht, funktionalisiert und ökonomisiert und dabei wurden systematisch die poetischen Gefühle ausgetrieben. Es kann sein, dass in dieser Korrelation (Parallelität) kein logischer Zusammenhang besteht. Aber es trifft sich vermutlich ganz gut, dass die gefühlsmäßige (poetische) Verarmung einerseits mit der sexuellen Bilder- und Sucht-Verreichlichung andererseits zusammentrifft. Dann sind viele der noch einigermaßen lebendigen Leute erst mal beschäftigt. – Es gibt z.B. eine interessante Beobachtung, die ich öfters auf unserer Haupteinkaufsstraße, dem Seltersweg mache: da siehst Du einerseits die 40jährige ‚Putz-Ab-Mutti“, bei der mittlerweile ‚der Putz abgefallen’ ist, und andererseits das liebliche 17-jährige Töchterchen (das neben ihr eingehakt ist), das den Putz noch dran hat. - Vor allem wenn das eine so typische Konstellation ist, sollte einem das doch vielleicht einmal ein bisschen zu denken geben?

 

Siehe auch “Adorno zum Thema Sexualität